Wird die Mobility Blockchain Platform vorhandene Plattform-Unternehmen im Mobilitätsbereich ablösen?

By Jochen Kaßberger

Jul 16

Die Automobilindustrie steht vor mehreren Herausforderungen. U.a. wird das bisher gültige Geschäftsmodell, mit dem Verkauf von Fahrzeugen Geld zu verdienen, durch digitale Mobilitätsangebote in Frage gestellt. Mobilitätsanbieter wie Uber zeigen heute schon, wie beispielsweise die Taxibranche durch digitale Plattformgeschäftsmodelle massiv unter Druck geraten. Eine Kernfrage, die sich für die Automobilindustrie stellt, lautet: Welche Rolle spielen die Automobilunternehmen in den zukünftigen Mobilitätsplattformen? Auf der einen Seite ist anzunehmen, dass sich die Automobilunternehmen nicht ohne weiteres digitalen Plattformanbietern unterordnen. Auf der anderen Seite werden zukünftig digitale Mobilitätsplattformen einen großen Teil der Mobilitätswertschöpfung abbilden.

In den vergangenen 20 Jahren konnte man die Auswirkungen der Netzwerkeffekte an zahlreichen digitalen Plattformgeschäftsmodellen aus den USA nachvollziehen. Aktuell sind sieben der zehn wertvollsten Unternehmen digitale Plattformunternehmen. Wenn sich die Automobilindustrie dieser Entwicklung schon nicht entziehen kann, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und zukünftige Plattformansätze aktiv zu gestalten.

Die Mobility Blockchain Platform stellt dazu einen Lösungsansatz dar. Sie schafft eine digitale, Blockchain-basierte Infrastruktur, auf der mehrere Serviceanbieter gegeneinander in Wettbewerb treten. Dabei gibt es zukünftig kein Unternehmen, das die Plattform besitzt. Vielmehr wird die Plattform von den teilnehmenden Unternehmen gemeinsam entwickelt und betrieben. Die teilnehmenden Unternehmen kooperieren also auf der Infrastrukturebene und treten auf der Serviceebene zueinander in Wettbewerb. Bei diesem Aufbau spricht man auch von „Coopetition“, einer Zusammensetzung von „Cooperation“ und „Competition“. Die Vorteile des Wertschöpfungsmodells Coopetition“ liegen auf der Hand: ein übermächtiger zentraler Plattformbetreiber wird verhindert und die wirtschaftlichen Vorteile der Netzwerkeffekte der Plattform werden zwischen den teilnehmenden Unternehmen verteilt.

Konkret geht es dabei um den Nachweis, dass mehrere Plattformteilnehmer eines Mobility Ökosystems miteinander rechtsverbindliche Mietverträge abschließen, die u.a. Fahrzeugnutzung und Zugangsrechte regeln, ohne dass zwischen Mieter und Vermieter ein bereits bestehendes Geschäftsverhältnis vorhanden sein muss. So konnte in dem Projekt gezeigt werden, dass ein Mietvertrag zwischen zwei Parteien abgeschlossen werden kann, obwohl sich beide nicht direkt kennen. Die ID-Validierung erfolgt dabei über einen ID-Validator Service.

Die Mobility Blockchain Platform erleichtert die digitale Integration und Aggregation von Kundengruppen und Fahrzeugflotten auf der Plattform, da eine tiefergreifende IT-Integration entfällt. Die Integration findet dabei über ein Blockchain-basiertes dezentrales Netzwerk statt. Die eingesetzte Blockchain-Technologie unterstützt den kooperativen Charakter der digitalen Infrastruktur.

Die Mobility Blockchain Platform wurde im Rahmen einer 100 Day Challenge der STARTUP AUTOBAHN von der Blockchain Factory von Daimler Financial Services und den Blockchain-Unternehmen evan.network, Blockchain Helix, RIDDLE&CODE und 51nodes entwickelt.

Das Technologieunternehmen 51nodes war in dem Projekt u.a. für die Entwicklung und Abstimmung der Blockchain-basierten Software-Architektur verantwortlich. Dabei wurden u.a. folgenden Komponenten und Services integriert:

  1. Das evan.network als B2B Blockchain-Netzwerk auf Ethereum-Basis, initiiert von dem Start-up even GmbH aus Dresden 
  2. Ein exemplarisches Fleet Backend eines Flottenbetreibers 
  3. Eine User Mobility App als benutzerfreundliches Frontend für Mobilitätsdienste 
  4. Die Integration der Digital User Identity Services von Blockchain HELIX aus Frankfurt 
  5. Die Vorarbeiten zur zukünftigen Integration eines Blockchain-basierten Car Wallet von RIDDLE&CODE aus Wien 

Im Zusammenspiel mit der Blockchain Factory und den vier Unternehmen evan, Blockchain Helix, RIDDLE&CODE und 51nodes entstand somit in den vergangenen 100 Tagen ein „Minimal Viable Ecosystem“, das den konzeptionellen Geschäftsmodellansatz einer kooperativen Mobility Plattform umgesetzt hat. 

Dazu sagt Jochen Kaßberger, Mitgründer von 51nodes: „Wir bei 51nodes sind überzeugt, dass die Mobility Blockchain Platform ein Teil einer neuen digitalen, kryptografischen Ökonomie werden wird. Wir gehen davon aus, dass sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten zeigen wird, ob der gewählte Ansatz eine ernstzunehmende Alternative zu Unternehmen wie Uber werden wird. 

51nodes ist ein Technologieunternehmen, das seine Kunden, wie die Blockchain Factory von Daimler Financial Services, unterstützt, Blockchain-Projekte zu realisieren. Seit 2017 plant, entwickelt und integriert das von Jan Paul Buchwald und Jochen Kaßberger gegründete Unternehmen Blockchain-basierte Softwarekomponenten. 

 

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