Datengesteuerte Smart Contracts

By Dennis Schlegel

Aug 11

Smart Contracts sind selbst-exekutierende Applikationen zur Automatisierung von Geschäftsvorgängen, die über ein dezentrales Netzwerk, wie eine Blockchain ausgeführt werden. Weil sie die administrativen Geschäftskosten reduzieren sind sie eines der attraktivsten Features, die mit Blockchain-Technologie assoziiert werden. Während die Blockchain selbst als verteiltes Hauptbuch zur Abwicklung und Bestätigung von Transaktionen dient, exekutieren Smart Contracts vorbestimmte Geschäftsbedingungen.

Neben Anwendungsfällen der Tokenisierung (ERC-20 und ERC-1155 Tokens sind jeweils Smart Contracts für eigene Asset Register) versprechen datengesteuerte Smart Contracts, die mit off-Chain Daten interagieren, eines der größten Potentiale zur Automatisierung von Geschäftsprozessen. Dabei werden Smart Contracts Inputs von unterschiedlichsten Datenquellen beziehen, einschließlich IoT Sensoren, e-Signaturen, Web APIs, bestehenden Backend Systemen, Software Applikationen und anderen Smart Contracts.

Quellen datengesteuerter Smart Contracts

Das Internet der Dinge (IoT) ist das Web bestehend aus vernetzten Maschinen bzw. ein Sammelbegriff für Technologie einer globalen Infrastruktur, die es ermöglicht physische und virtuelle Gegenstände miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten lassen. Hierzu zählen u.a. Smart Cities und -Home Geräte, Transportfahrzeuge und -Netzwerke, Anlagemaschinen und Roboter, Wearables und medizinische Geräte, RFID Tags und physische Produkte etc. Im Grundgerüst sammeln, speichern und senden IoT Sensoren und -Netzwerke eigenständig Daten, die über das Internet oder andere Kommunikationstechnologien kommuniziert werden. IoT Geräte produzieren überwiegend Daten durch unterschiedliche Typen an Sensoren, die ihre Umwelt wahrnehmen und diese Informationen verarbeiten oder in Rohform weitersenden. Diese Sensoren umfassen u.a. GPS, Accelerometer, Gyroskop, Temperatur, Druck, Luftfeuchtigkeit, Fotos / Satellitenbilder und RFID Chips. Die gesammelten Daten oder daraus verarbeitete Information können direkt zu Smart Contracts gesendet werden. Entweder passiv, d.h. der Sensor sammelt und sendet die Daten auf eine spezifische Anfrage, wie eine bestimmte Uhrzeit oder Tag. Oder aktiv, d.h. der Sensor streamt Daten konstant zu einem Smart Contract über eine definierte Zeitdauer.

E-Signaturen können als Datenpunkte verstanden werden, die eine digitale Signatur repräsentieren. Diese können Handsignaturen auf einem Gerät (z.B. Point-of-Sale Terminal), biometrische Signaturen (z.B. Fingerabdruck) oder digitale Signaturen basierend auf Public Key Infrastruktur (z.B. DocuSign) umfassen. Der Hauptgedanke dabei ist, dass eine Person bzw. Rechtsträger identifiziert und als vollmächtig erachtet wird durch ihre e-Signatur eine bestimmte Aktion innerhalb eines Smart Contracts zu triggern, wie z.B. eine Zahlung, Eigentumsübergang oder Lizenzverlängerung.

Web APIs sind technologische Schnittstellen, um anderen Systemen Zugang zu Informationen auf einem Web Server bereitzustellen. Diese können z.B. Marktdaten von Bloomberg, Flugzeiten oder Ergebnisse von Sportereignissen umfassen. Bestehende Backend Systeme sind die derzeitig vorherrschenden Datenbanken, die aus eigenen in-House Servern von Unternehmen und Servern der Cloud- und SaaS Anbieter bestehen. Der Großteil an Daten ist auf diesen Systemen zu Hause. Mit der zunehmenden Integration von Blockchain-as-a-Service Plattformen führender Cloud Anbietern, wie Google, Microsoft und Oracle, wird die Interoperabilität dieser zu Blockchain-Netzwerken und Smart Contracts weiter gefördert. Software Applikationen, die Rohdaten verarbeiten, z.B. von IoT Geräten, können diese durch Algorithmen analysieren und gegen Datensätze in Backend Systemen modellieren, um hochwertigere Informationen zu generieren. Smart Contracts werden oftmals keine Rohdaten, sondern verarbeitete Daten als Input konsumieren.

Andere Smart Contracts können als Input für Smart Contracts dienen. Grundsätzlich kann das Ergebnis eines Smart Contracts die Ausführung eines anderen auslösen. Zum Beispiel könnte die e-Signatur eines Bauinspektors nach Fertigstellung und Bauabnahme eine Zahlung an das Bauunternehmen auslösen, welche dann automatisch das Darlehen einer finanzierenden Bank tilgt. In der Zukunft könnte es also komplexe Ketten an Smart Contracts geben, die Geschäftsvorgänge ganzer Wertschöpfungsnetzwerke abbilden und hoch automatisieren.

Potentiale für datengesteuerte Smart Contracts bestehen insbesondere in den folgenden Bereichen:

  • Versicherungsindustrie (KfZ-, Lebens-, Kranken-, Flugversicherung)
  • Globaler Handel (Lieferkette, Handelsfinanzierung, Regulierung)
  • Finanzwesen (Anleihen, Derivate, Post-Trade-Verarbeitung, Abwicklung)
  • Performance-basierte Verträge (Baugewerbe, Wetten, Lizenzzahlungen, Versorgungswirtschaft)
  • IoT / Economy of Things (autonome Fahrzeuge, autonome Agenten, automatisierte Wertschöpfungsketten)
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